IKG-WIEN UND BUNDESVERBAND DER ISRAELITISCHEN KULTUSGEMEINDEN HABEN BEDENKEN GEGENÜBER "38/08 A LETTER TO THE STARS"
Beiträge / Wissenschaft & Forschung
geschrieben von Anlaufstelle am 17.12.2007, 08:30 Uhr
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1. Bei dem mit großem medialem Einsatz agierenden Unternehmen "A Letter to the stars" werden in showmäßig organisierten "Events" sowohl die Gefühle der Überlebenden kommerzhaft instrumentalisiert, als auch die österreichische Jugend mit zu geringer fachlicher Vorbereitung durch Mausklick mit der Shoah konfrontiert ("rent your survivor").
2. Bei Großveranstaltungen von 250 teilnehmenden Überlebenden ist die fachliche Betreuung nicht gesichert, im Gegenteil, Fachleute warnen vor der Gefahr einer "Retraumatisierung" durch das Event.
3. Durch derartige Events mit Kirtagscharakter und Aktionen wie dem Schreiben von Briefen an Tote erfolgt weder für Überlebende noch für die heutige österreichische Jugend, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte Österreichs.
Die Israelitische Kultusgemeinden und der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs sind sowohl juridisch, als auch ihrem Selbstverständnis nach Vertreter der jüdischen Bürger und Bürgerinnen Österreichs. Daraus leitet sich auch der moralische Anspruch ab, für Rechte und Ansprüche der mehr als 65.000 durch die Nazis Ermordeten und etwa 130.000 in die Emigration vertriebenen österreichischen Juden einzutreten.
Trotz des Geschehenen blieben die meisten der jüdischen Emigranten in oft ambivalenter Art und Weise der Heimat verbunden. Durch das von Prof. Dr. Leon Zelman geführte "Jewish Welcome Service" wurden es seit Jahren, und wird es auch in Zukunft in kompetenter und professioneller Art und Weise, den Überlebenden ermöglicht,ihre alte Heimat wieder zu besuchen und in Zusammenarbeit mit der IKG und ihrem psychosozialen Dienst ESRA diese Konfrontation und dieses Wiedersehen auch emotional zu verkraften.
Die IKG, bzw. der Bundesverband haben längere Zeit gezögert und das Projekt "A Letter to the stars" verfolgt, auch eingedenk des Umstandes, dass das technisch ausgezeichnete PR-Konzept geschickt über die Mängel hinwegtäuscht und das Projekt von einer Vielzahl von Personen unterstützt wird, die damit einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Österreich leisten wollen.
IKG und ESRA haben erhebliche Bedenken gegenüber dem Projekt " 38/08 A Letter to the stars" und ersuchen die Organisatoren von "A Letter to the stars" diese uneingeschränkt zu berücksichtigen.
Quelle: Israelitische Kultusgemeinde Wien (OTS, 14.12.2007)
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